Interview mit Herrn Wrabletz

Aufgezeichnet vom WPU-Kurs „Kreatives Schreiben“

Wie fanden Sie die alte Schule?

Im Gebäude der „alten“ Lichtbergschule habe ich genau 30 Jahre lang gearbeitet. Sie war der Ort meines beruflichen Alltags. Vieles habe ich in diesem Gebäude erlebt, mit Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen und mit Eltern. Gern erinnere ich mich an zahlreiche, lustige, spannende und außergewöhnliche Situationen, die eng mit den Räumen dieses Gebäudes im Zusammenhang stehen. Die Erinnerung an die alte Lichtbergschule wird bei mir für immer bleiben. Daher habe ich vor dem so genannten „Rückbau“ (umgangssprachlich Abriss) des Gebäudes ein letztes Foto von mir, stehend vor dem Eingang zur Schule, anfertigen lassen. Als die Maschinen für den Rückbau ihre Arbeit aufnahmen, war mein Herz schwer. Dass dieses Gebäude für immer verschwindet, hat mich einerseits traurig gestimmt, andererseits verspürte ich aber auch das Gefühl der Aufbruchsstimmung in mir, die Freude auf die neue Schule; ich bezeichne sie gern als Lichtbergschule 2.0. Für meine persönliche Erinnerung an das alte Gebäude habe ich in meinem Dienstzimmer ein Gemälde des alten Schulgebäudes mit Blick auf den Haupteingang aufhängen lassen.

Wie finden Sie die neue Schule?

Im Jahr 2015 informierte uns der Landrat, Herr Woide, dass die Lichtbergschule einem Neubau weichen müsse, da man sie nicht mehr sanieren könne. Die meisten umliegenden Schulen wurden aufwendig saniert. An der Kurvatur, also an der Form des Gebäudes, konnte kaum etwas verändert werden.

Ein Neubau dagegen bietet viele Möglichkeiten, das Schulgebäude völlig neu zu gestalten, den pädagogischen Anforderungen der Zeit individuell anzupassen. Und genau darin lag die Aufgabe der Lehrkräfte und der Schulleitung, ein pädagogisches Konzept für den Neubau zu erarbeiten. Eine durchaus spannende, aber auch aufwendige Aufgabe für alle Beteiligten. Ich hatte das Glück, diesen Prozess mit den Lehrkräften der Bauplanungsgruppe von Anfang an begleiten zu dürfen und habe so die Entstehungsgeschichte des Neubaus miterlebt. Wir haben die Planung der Schule von innen her angedacht. Es werden Cluster entstehen. Das sind Anordnungen von mehreren Räumen auf einer Ebene, die einen ganzen Jahrgang beherbergen. Ein wenig stolz sind wir natürlich auch auf unsere Planungen und hoffen, hier optimale Lernbedingungen für die Schülerinnen und Schüler geschaffen zu haben. Wir freuen uns auf die Fertigstellung, auch wenn der bevorstehende Umzug noch einmal eine Herausforderung sein wird.

Was hat sich verändert?

Auf diese Frage möchte ich zwei Antworten geben.

Im Gegensatz zum „Ersatzbau“, also der Modulschule, wird im Neubau vieles ganz anders sein. Das neue Schulgebäude ist viel größer als die Modulschule. Es wird eine viel größere Pausenhalle geben. In den Klassenräumen sollen digitale Tafeln verbaut werden, so dass überall multimedial gearbeitet werden kann.

Im Gegensatz zur alten Lichtbergschule wird auch einiges anders sein. Insgesamt wird die Grundfläche der neuen Schule etwas größer sein. In der alten Schule waren die Klassen einer Jahrgangsstufe in einem Aufgang untergebracht, das wird in der neuen Schüle ähnlich sein. Hier werden so genannte „Cluster“ entstehen. Sie bestehen aus mehreren Klassenräumen, Differenzierungsräumen, einer multifunktionalen gemeinsamen Mitte und in einigen Bereichen auch Lehrerstützpunkten. Durch diese Anordnung der Räume können große, offene Lernbereiche entstehen.

Das „Herz“ der Lichtbergschule 2.0 wird unsere große Pausenhalle werden, die auch als Aula genutzt werden kann. Dort wird auch eine Bühne mit Bühnentechnik eingebaut, sodass wir für Großveranstaltungen nicht mehr die Sporthalle nutzen müssen. Die naturwissenschaftlichen Fachräume werden wieder, wie in der alten Schule, im unteren Bereich verortet sein, in Richtung des Sportplatzes.

Die Mensa wird endlich mehr Raum für die Zubereitung der Speisen erhalten. Die große Pausenhalle wird durch mobile Trennwände optisch geteilt, so dass das Mittagessen hier ungestört eingenommen werden kann.

Für welche Fächer sind Sie spezialisiert?

Ich bin ausgebildeter Lehrer für die Fächer Chemie und Biologie, habe aber während meiner Zeit als Klassenlehrer auch fachfremd die Fächer Erdkunde, Geschichte und vor ganz langer Zeit das Fach Sozialkunde unterrichtet.

Wie viele Klassen hatten Sie?

Ich war 16 Jahre lang als Klassenlehrer eingesetzt, es waren acht Klassen, die ich begleitete.

Was gefällt Ihnen am Unterrichten?

Ich bin Lehrer geworden, weil es mir eine große Freude bereitet, junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern. Es gibt so viele interessante, erstaunliche Phänomene zu beobachten, die man wissenschaftlich erklären kann. Das kann nicht nur dem Lehrer, sondern auch den Schülerinnen und Schülern Spaß machen. Mit Fragen, wie „Warum ist der größte Teil des Eisbergs unter Wasser, an der Oberfläche sieht man nur einen Bruchteil? Warum beißt der Hund den Briefträger beim Betreten des Grundstücks ins Hosenbein? Warum kann man Gold nicht künstlich herstellen?“, beschäftige ich mich gern mit den Schülerinnen und Schülern. Mir bereitet der Unterricht nach wie vor viel Freude, leider gebe ich mittlerweile nur noch wenig Unterricht.